Segelfreizeit nun coronabedingt anders

Die jährliche Herbst-Segelfreizeit in Heeg konnte, bedingt durch die niederländischen Corona-Massnahmen, nicht stattfinden. Der Verein entschloss sich so frühzeitig zur Absage, dass Kosten nicht entstanden sind. Als Ersatz sind einige der Leute die sich schon für Heeg angemeldet und entsprechend Urlaub genommen hatten, eine Woche zum Yachtsegeln an die Ostsee gefahren.
Wir waren zu sechst mit einer Halberg Rassy 31 und einer Bavaria 34 Cruiser (2 Kabinenversion) 1 Woche ab Flensburg unterwegs. Beide mit Lattengroß mit 2 Reffs und Rollfock. An der Bavaria gabe es nicht viel auszusetzen, sie war auch erst 1 Jahr alt und der Name Petra leicht zu merken. Sie hatte einen Flachkiel mit einem Tiefgang von 1,55m. Der Normalkiel hat 1,90m.
Am Samstag 03.10 durften wir schon 1520 drauf, obwohl 1700 erst der offizielle Übergabetermin war. Die Übergabe und Einweisung verliefen schnell. Bei der Bavaria gingen wir von einem Einleinen-Reffsystem (mit 2 Reffs) aus und fragten daher nicht weiter nach, was ein Fehler war.
Die 26 Jahre alte Halberg namens Seewolf war privat gechartert und teurer wie die Bavaria. Die Übergabe wurde nicht vom Besitzer durchgeführt. Dieser Einweiser nahm kein Blatt vor den Mund und berichtet ungefragt sofort vom schlechten Pflegezustand der Yacht und bot sofort an umzusteigen auf eine größere moderne Yacht. Jürgen und Familie hatten sich aber eine Halberg gewünscht und so blieb es bei diesem Schiff. Die meisten Probelme bestanden mit dem Dieselmotor. Dieser stank und durfte nicht stark belastet werden, da er dann überhitzen würde. Es wurde eine Drehzahlgrenze genannt, die nicht längere Zeit übeschritten werden durfte.
Bereits in F hatten wir in einem Restaurant, was Petra und ich schon von einem Toern von vor 9 Jahren kannten, einen Tisch reserviert. Wir drei, Jo, Petra und ich waren mit der Bahn angereist und wurden von Jürgen und Famely im Auto abgeholt. Die Coronamassnahmen dort entsprachen den hiesigen.
Beide Schiffe lagen in Flensburg, aber in verschiedenen Häfen. Samstag legten wir kurz nach 10 mit der Bavaia ab. Sie lag in einer Box, Heck zum Steg, wird römisch katholisch genannt, der Bug mit 2 Leinen an Dalben mit einem Würgeknoten belegt (Palsteg und damit eine Schlinge gebildet). So sollten wir das Boot auch wieder nach einer Woche einparken. Nachdem wir eine Weile in der Förde bei sonnigem Wetter und einem 3er SE herumgesegelt waren, kam auch der Seewolf heraus. Hier gab es mit der Bedienung des Motors noch ein paar Fragen mit dem Einweiser zu klären. Der Wind nahm zu und bei der Bavaria wurde das erste Reff eingebunden. Da wir von einem Einleinenreff ausgingen, wurde das Fall gefiert, Reffleine 1 dichtgenommen und das Fall wieder dichtgenommen. Vermutlich nicht stark genug, sonst wäre uns schon aufgefallen dass es kein Einleinenreff war. Das stellte sich dann 20 Miuten später heraus als der Wind weiter zunahm und wir ins 2te Reff wollten. Hier stieg beim Durchsetzen des Falles der Baum. Da uns erstmal unklar war was hier los ist, nahmen wir beide Segel weg und motorten erstmal weiter. Nach einer Verfolgung der Reffleine wurde klar dass diese nur das (neue) Schothorn zum Baum herunterzieht. Für das Vorliek gibt es 2 Reffhaken worin die jeweilige Reffkausch eingehängt werden muss, also wie z. B. beim vereinseigenen Polyvalk. Das hat den Nachteil dass zum Reffen jemand aus dem geschützten Cockpit an den Mast herausmuss. Als das klar war, wurde dann wirklich mit dem 2ten Reff weitergesegelt. Im Laufe dieser Aktionen wurden wir von der Halberg dann abgehängt. Somit war es ihre Aufgabe im Zielhafen Sonderborg, Dänemark, 2 nebeneinanderliegende Plätze zu finden. Dies gelang ihnen auch auf Anhieb, es waren leider die größten Boxen des Hafens. Somit waren auf beiden Schiffen die Leinen zu den Dalben zu kurz um sie auf Slipp zu legen. Selbstverständlich stellte sich dies erst nach einem Versuch heraus. Es klappte also nicht wirklich gut, gerade bei der Seewolf war niemand da der die Leinen annahm. Da es mit den zu kurzen Dalben-Leinen nicht gelang den Steg zu erreiche und das Boot dort festzumachen, trieb der Wind das Schiff quer in die Box. Überflüssig zu erwähnen, dass es keine Boxenleinen gab. Jedenfalls waren schlussendlich beide Boote fest, tw mit einfach genommenen Leinen oder zusammengeknoteten. Auf der Seewolf wurde lecker gekocht, die Bavariacrew durfte am gedeckten Tisch im urgemütlichen Salon der Halberg Platz nehmen. Hierbei sei gesagt dass beide Schiffe für alle 6 Leute ausreichend Platz am Tisch boten. Bei der 1m kürzeren Halberg war der Tisch nicht so breit, dafür länger und hier war der Sitzkomfort höher. Der breitere Tisch auf der Bavaria bring keine Vorteile, wenn nicht gerade ein 7 Gänge-Menü aufgetisch wird. Beide Tische können beidseitig eingeklappt werden, damit am Tisch vorbei in die Vorschiffkabine kann, bzw leicht die Sitzbank erreicht bzw. den darunter befindlichen Stauraum. In der Halberg ist makelloses Mahagoni verarbeitet, bei der Bavaria noch nichtmal Ikea-Standard. Alle sind sich einig dass die Bavaria keine 26 Jahre übersteht. Da kein Hafenmeister dort war nannten uns andere Segler den Code der Sanitäranlagen. Das Einshecken lief über einen Automat. Der Hafenmeister ist zu dieser Jahreszeit nur mal morgens da.
Früh wurde es dunkel, früh ging es ins Bett. In den Ort, der vom angesteuerten Sportboothafen 1,5km entfernt liegt, ging keiner mehr. Auf der Bavaria waren 26,7 Sm zurückgelegt, davon 2,2 unter Motor. 21 Sm wäre der Weg ohne Aufkreuzen, Wartekringel und einem kleinen Umweg um einen Vormwindkurs zu vermeiden.

Mo 05.10.
Nach dem Frühstück, jeder auf seinem eigenen Schiff, wurde bei sonnigem Wetter mir frischem Wind, der Ort erkundet und eingekauft. Im Stadthafen bewunderten wir ein altes schnelles Schiff und erfuhren dass es ein Admirals-Cupper war. Wir bestaunten das flache Deck und fragten uns wie man da Halt finden soll.
Eingekauft wurde noch, es war ja nun Montag und die Geschäfte offen. Masken sind nicht erforderlich, 1,5 m Abstand sollen eingehalten werden.
Das Ablegen auf der Bavaria gelang nicht besser als das Anlegen. Der Plan war in die Luv-Achterleine einzudampfen, diese zu fieren bis wir an die Vorleinen kamen um dies abzufrickeln. Bis hier lief es noch wie vorgesehen. Leider fanden wir auf dem Schiff keine ausreichend lange Achterleine um diese auf Slipp zu legen um uns weit genug vor verholen zu können. So wurde die nicht mehr erforerliche Lee-Achterleine an die Luv-Achterleine angeknotet. Da ein dicker Pfahl zum festmachen am Steg war, sollte auch der Knoten dort durchlaufen können. Der Knoten fand aber doch eine Lücke im Steg, wo er sich einklemmen konnte. Die Vorleinen waren also ab, die Achterleine gab das Schiff aber nicht frei. Mit vereinten Kräften gelang es der Seewolf-Crew die Leine zu befreien. Wir merken uns also: Bei einer großen Box ist es nicht einfacher an/abzulegen, aber teurer.
Der Plan für heute lautete nach Faarborg auf Fünen zu segeln. Die die sich damit beschäftigten waren der Ansicht bei dem vorhergesagten SSW-Wind sollte aus dem Loch von Sonderborg aufgekreuzt werden, dann sollte es mit einem Anlieger möglich sein aus der Förde in den kleinen Belt zu segeln. 26 Sm wären es gewesen. Mit allen Hindernissen kamen wir aber erst um 12 los. Der Wind hatte schon soweit aufgefrischt dass das 2te Reff gleich drin gelassen wurde. Eine beachtliche Welle schaukelte uns sofort durch. Anscheinend hielt sich die Windrichtung nicht an die Vohersage oder unser möglicher Kurs zum Wind wurde von den an der Planung beteiligten optimistischer eingeschätzt, als er dann war. Jedenfalls hörte die Aufkreuzerei nicht so schnell auf, die Schiffe stampften und gierten sehr, die Krängung war beachtlich, trotz mehr Wind als Tags zuvor lag die Durchschnittsgeschwindigkeit nur bei 3,2 Knoten, 4 Knoten waren es noch am Sonntag. Sonne und Schauer wechselten sich ab. Einziges Glück war dass es nicht sonderlich kalt war und man es mit Schwerwetterklamotten gut aushalten konnte. Praktisch wie geplant wurden tatsächlich 26 Sm gefahren, allerdings sind wir durch die Kreuzerei nicht dort gelandet wo wir wollten. Es schauerte, die Navigationslichter waren an, das Ziel noch weit, der Sonnenuntergang nah, ein Ausweichhafen musste her. Es wurde Mommark auf Als. Den kleinen Belt haben wir also nicht überquert. Diese Abstimmung machten wir mit Handy. Wir hatten zwar in Summe 4 digitale zulassungsfreie Handfunken mit, aber aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen wollte keines mehr mit einem anderen. In Heeg vor einem Jahr hatte das noch anstandslos funktioniert. Beide Schiffe haben ja auch Funk, 4 Leute haben den SRC und sollten damit umgehen können. Es sollte also kein Problem sein, sich mit diesen zu unterhalten, vor allem da beide Funken DSC (digital selectiv call) beherschen, man also gezielt ein Schiff ansprechen kann, wenn man die dazugehörige Nummer (MMSI) kennt. Aber wie die meisten Charterer hassen wir alle die Funken, schalten sie beim Ablegen ein, nach dem Anlegen aus, und wollen ansonsten damit nichts zu tun haben. Nebenbei bemerkt hat jedes Schiff eine Aktentasche mit Bedienungsanleitungen an Bord. Wenn man ganz ordenlich wäre, müsste man 2 Wochen chartern und die erste Woche im Hafen bleiben und sich mit der ganzen Technik auseinandersetzen. Aber macht beim Mietauto ja auch niemand und das Gas ist rechts!
Jedenfalls war auf beiden Schiffen die Stimmung nicht so wirklich toll. Knapp 7 Stunden intensiv durchgesegelt bei teils schauerlichem Wetter und effektiv nur 15 Sm zurückgelegt. Die Halberg wollte der Bavaria nun den Vortritt lassen und segelte deutlich weiter von der Küste weg. Bei 2 Schiffen ist es auch sinnvoll dass das Zweite mit der Einfahrt in den Hafen wartet, bis das erst die Lage sondiert und angelegt hat. Hier waren Finger-Schwimmstege, die es in der Ostsee nicht oft gibt. Schwimmstege schon, da der Wasserstand sich durch den Wind um 0,5m ändern kann, meist jedoch Dalben. Nun also Finger, zwischen 2 Fingern 2 Schiffe. Eine solche Doppelbox war frei, 2 andere Charterschiffe direkt neben an, mit Besatzungen die gelangweilt auf dem Steg standen. Also im Sonnenuntergang die Fender tief gehängt für die Finger und mit dem Bug fix rein. Das Übergeben der Vorleinen ging problemlos von statten, was man von der Achterleine nicht sagen konnte. Der dazugehörige Finger lag in Luv und so trieb das Heck ab bis die Bavaria diagonal in der Box lag. Zum Glück kamen alle Segler der beiden anderen Charterschiffe, hielten das Heck vom anderen Finger ab. Der Versuch das Heck mit Hilfe des Radeffektes, der eigentlich in die gewünschte Richtung wirken müsste geradezuziehen gelang nicht. Eine Saildrive-Anlage hat eben sehr wenig Radeffekt. So wurde die Heckleine über Bug an die hilfsbereiten Nachbarn übergeben und mit vereinten Kräften gelang es diesen das Heck gegen den Wind wieder parallel zum Finger zu bekommen.
Die Halberg hatte dann leichtes Spiel, denn nachdem wir bekannt gaben dass noch ein Schiff mit erschöpfter Crew kommt standen ca 15 Helfer bereit, da konnte nichts mehr schief gehen.
Ein Hafenmeister wurde nicht gefunden. Einer der Nachbarn erklärte der Hafen wäre eigentlich schon geschlossen, daher gäbe es nur noch ein offenes Klo, keine Dusche, keinen Hafenmeister, keine Liegegebühren.
Gegessen wurde in der Bavaria. Danach wurde noch lange über die weiteren Stationen diskutiert. Weit Richtung Fünen kam zeitlich nicht mehr in Frage. Über den Belt und um Aerö herum würde bedeuten ein sehr langes Stück gegenan zu haben, von  Marstal in die Flensburger Förde hinein. Auf Marstal verzichten zu müssen ist leider sehr schade für Segelinteressierte. Schließlich wurde entschieden am Montag „nur“ den kleinen Belt zu überqueren und nach Soby auf Aerö zu laufen. Das würde etwa Halbwind auf dem Belt bedeuten, wir wären schnell drüben. Aufkreuzen dann auf der Ostseite von Aerö nach Soby wäre nicht weit und in der Abdeckung von Aerö. Mi dann in NW-Richtung wieder über den Belt zurück um die Nordspizte von Als herum, so dass der Donnerstag, der ganz übel angesagt war, dann im (schmalen und damit seegangsarmen) Als-Sund und Fjord versegelt werden kann. Dann Donnerstag noch möglichst weit die Förde rein, wenns gar nicht anders geht aber nochmal Sonderborg . Mit diesen Gedanken dann schnell Heizung und Licht aus und ab in die Koje. Wobei zur Heizung noch anzumerken wäre dass sie fast wichtiger war wie der Motor und evt. im Verlauf des Toerns ähnlich viel Diesel geschluckt hat. Bei beiden Booten wird erwärmte Luft in den Salon geblasen. Sollen auch die Kabinen geheizt werden, sind die Türen aufzulassen. Wenn es kälter war haben wir entsprechend diese abends geöffnet. Die Heizung hatten wir nie Nachts an, jedoch jeden Morgen und Abend, nur einmal tags.
Bei der Halberg stank der Motor bei Gebrauch dermassen, dass die Heckkabine nicht mehr genutzt werden konnte. Mika musste Nachts in den Salon umziehen. Die Heizung saugte die Luft im Motorraum an, schaffte also den Motorgestank in den Salon. Die Heizung konnte daher nur morgens eingeschaltet werden, also wenn der Motor lange stand. Auf der Bavaria funktionierte die Heizung vorbildlich. Sie hatte ordentlich Leistung, man konnte eine Temperatur einstellen, zu hören war sie nur in der Achterkabine.

Di 06.10.
Es sollte kein so aufreibender Tag mit vielen Seemeilen werden. Der Start daher erst um 10. Ein Hafenmeister war tatsächlich nicht aufgetaucht. Nachts war kaum Wind, aber nach Sonnenaufgang legte er schnell immer mehr zu. Losgefahren bei 5 Bf aus Süd und so gleich das 2te Reff gelassen. Eine Stunde später ging es auf 6 Bf hoch und wir waren der Ansicht zu viel gesetzt zu haben, wir lagen ständig in der Nähe der Rumpfgeschwindigkeit. Das segeln war daher ziemlich nass. Ein Problem was auf der Halberg später verständnislose Blicke hervorruf. Bei der Bavarial schaufelte manchmal der Bug wasser auf das Deck welches sich dann zum Teil über den Gangbord seinen Weg nach achtern sucht und der Rudergängerin auf die Schuhe läuft. Da es ein Halbwindkurs war, waren wir der Ansicht die Anströmung mit einem Reff in der Fock auch etwas verschlechtern zu können. Wirklich kompfortabler wurde das Segeln nicht, aber auch nicht langsamer. Leider fing es ganz ordentlich zu Regnen an, die Sichtbedingungen wurden schlechter. Ausser einem Seeschiff begegnete uns auf dem kleinen Belt niemand. Der Abstand zu diesem war so groß, daß keine Kollisionsgefahr bestand. Auf dem eingebauten Plotter lassen sich solche Schiffe erkennen, da sie ein AIS (automatisches Idendifizierungssignal) aussenden. Auf dem Plotter taucht es dann auf. Wenn man will kann man Schiffsnamen, Kurs, Geschwindigkeit, MMSI und anderes anzeigen lassen. Auch vor einer Kollisionsgefahr warnt der Plotter indem das Dreieck welches den „Gegner“ darstellt, dann fett wird. Leider sendete unsere Petra kein solches Signal aus. Auch auf dem Tablet konnten die Signale nicht empfangen werden.
Den Seewolf konnten wir am Anfang noch erkennen, er war deutlich später weggekommen. Mit dem einsetzenden Regen konnten wir ihn nicht mehr ausmachen. Wir hatten schon Sorgen dass die 3 wieder nach Mommark zurückgefahren wären, aber weit gefehlt, sie waren nur im Regen verschluckt.
Wie erwartet kamen wir nach etwa 2 Stunden Fahrt in die Abdeckung von Aerö und die Wellen ließen nach. Hier mussten wir den Kurs ändern und noch ein wenig hoch am Wind fahren. Die Kreuzerei haben wir uns gespart und bei der ersten Wende, die nötig gewesen wäre, die Eiserne Genua gesetzt, natürlich ordnungsgemäß das Dampferlicht zur Navigationsbeleuchtung dazu geschaltet. Ein Seeschiff sorgte bei uns noch für Konfusion, da es wie wir, strak auf den Hafen zu hielt. Den Dicken wollten wir nicht hinter uns haben und sind brav auf die Seite gefahren. Das Schiff wurde aber immer langsamer, dann kam ein kleiner Schlepper angetuckert und legte wohl auf der für uns nicht einsehbaren Steuerbordseite an. So fuhren wir denn doch in den Hafen. Bei der Einfahrt wurde uns klar dass dieses Schiff hier eh nicht reingepaßt hätte. Erst später wurde uns klar dass der Schlepper wohl einen Teil der Mannschaft abholte, das Schiff selbst ging dann in Sichtweite vor Anker. Nachts war die Decksbeleuchtung zu sehen.
Nach einer kleinen Hafenrundfahrt mit einem Tiefenarlarm (war bei 2m eingestellt) fanden wir eine Box. Es scheint so zu sein dass die älteren Boxen für die heutigen Schiffe, wenn sie denn breit genug sind, zu lang sind. Die Yachten scheinen immer breiter zu werden, so dass wir mit dem 10m Schiff eine Box nutzen müssen die für ein 12 m Schiff konzipiert ist, weil bei der von der Länge her passenden, die Dalben zu eng stehen. Hier war es wieder, unser bekanntes Problem: die Vorleinen, wenn man mit dem Heck anlegt, sind zu kurz um sie auf slipp zu nehmen. Das merkt man natürlich erst, wenn man einen Meter vom Steg weg ist, die Vorleinen zu Ende sind. Nun war es hier nicht so schlimm da die Box über Boxenleinen verfügte und das Schiff somit in der Spur blieb. Nun kam Jos Einsatz, einer der unzähligen. Sie zeigte uns einen Trick wie man die Leine mit einer Palstegschlinge auf den Dalben bekommt, ohne dem Dalben nochmals anfahren zu müssen.
Nachdem Seewolf sich telefonisch meldete, konnten wir gleich berichten dass sie neben uns die Leinen einfach legen sollten, deren waren auch nicht länger.
In der Zwischenzeit halfen wir einer großen X-Yacht mit kleiner Crew beim langsseites Anlegen. Deren Bugstrahlruder war zu schwach um gegen den Wind anzukommen. Danach unterhielten wir uns noch längere Zeit mit dem Skipper. Das Reffen einer Rollfock sah er als materialmordend an. Die Zugkräfte würden nicht so aufgefangen wie es sein soll. Seine Ansicht war „Ganz oder gar nicht“. Was natürlich gegangen wäre: Groß weg und unter voller Fock weiter. Schön läuft ein Schiff dann, bei Halbwind, aber nicht mehr, hoch am Wind wohl gar nicht mehr. Jedenfalls wären wir erheblich langsamer geworden, dass musste ja nun auch nicht sein.
Dies war einer der wenigen Tage wo wie mal etwas den Ort erkunden konnten, da schon um 1230 angelegt. Einkaufen musste auch mal wieder sein. Jedenfalls ist Soby der Ort der Katzen. Eine wich auf der Steganlage Jo nicht mehr von der Seite, eine andere beobachteten Petra und ich auf der Hauptstrasse, wenn man sie so nennen kann. Das freche Tier setzte sich mitten auf die Straße, die Autos mussten drumrumkurven. Abendessen in der Halberg. Es gab zur Vorspeise Kürbissuppe, danach Pesto-Nudeln. Früh gings ins Bett denn am kommenden Tag sollte es ein längeres Stück werden, über den kleinen Belt zurück nach Als, dort in die Dyvig-Bucht. Gleich nach Sonnenaufgang los, war der Plan.
Noch etwas Statistik: 10,7 Sm, davon 1,8 unter Motor. Höchstgeschwindigkeit 9,6 Knoten, vermutlich die Welle runter, denn die Rumpfgeschwindigkeit soll bei 7 liegen. Durchschnittsgeschwindigkeit 4,3 Knoten. Tatsächlich lag sie höher, eingerechnet ist hier das Ablegen und die Boxensuche. Gefahrene Wenden und Halsen: Null.
Unsere Kurslinie ist am Anfang etwas eierig. Die Steuerfrau versuchte mehrer Kurse aus um den optimalen Winkel zu den Wellen zu finden. In der Mitte des Belt wurden diese Versuche eingestellt.

Mi 07.10
Bei einer Woche chartern, hat man effektiv 6 Fahrtage, der 7te ist Wechseltag. Beim Segeln ist es wie beim Bergsteigen, nach 1/3 der Zeit sollte man das Ziel erreicht haben. Also 2 Tage für den Hinweg, 4 für zurück. Nun waren schon 3 Fahrtage vergangen und unser kommender Weg würde uns zunächst noch weiter vom Starthafen wegbringen. Der direkte Rückweg aber hätte viel offenes Wasser mit viel gegenan bedeutet. Alle hatten kein so wirklich gutes Gefühl, bei dem Ziel Dyvig für heute. Der Weg würde mit knapp 29 Sm, wenn nichts aufgekreuzt werden muss, weit sein, wenn auch von der Windrichtung passend. Da hatten wir uns ja aber schonmal getäuscht. Ausgemacht war: Gleich nach Sonnenaufgang los. Wenn wir auf dem kl. Belt dann merken dass wir keinen Anlieger zur Nordspitze Als fahren können, wird per Telefon konferiert.
Am Abend hatten wir keinen Hafenmeister mehr angetroffen, einen Automat gibt es auch nicht. Am Morgen aber kam er, kassierte aber zunächst in einer anderen Ecke des Hafens. Auf die Bitte ob er nicht erst zu uns kommen könne sagte er „ich komme schon zu meinem Geld“. Aber bis man wirklich weg ist dauert es immer länger als man denkt und der Meister kam, ohne dass wir hätten warten müssen. Er hätte Jo gern behalten, sie ließ sich zum Glück nicht changhaien.
Nachts war der Wind gering, aber in der Hafenausfahrt waren es schon 4 Bf und kurz danach 5, das 2te Reff blieb drin. Im Belt wurde klar: Wind paßt, ein moderater Amwindkurs führt zum nächsten Wegepunkt. Wellen und Wind waren nicht wenig, aber doch etwas geringer als tags zuvor. Vielleicht verleitete das Petra zu etwas Unvorsichtigkeit, sie stieß sich heftig das Knie am Küchenblock. Sie war an die Schaukelei gewöhnt und bis zu diesem Moment war von Seekrankheit keine Spur. Durch den Schreck und die Schmerzen wurde ihr dann aber doch etwas anders. Das Knie wurde mit einer Bierdose aus dem Kühlschrank gekühlt und sie legte sich auf die Leebank in den Salon. Eine halbe Stunde später ließ der Wind nach und der Wunsch der fahrenden Wache nach einem Reff weniger wurde laut. Ohne Petra aber wollten wir dies nicht angehen. In wenigen Worten wie das Abläuft: Abfallen auf einen Vormwindkurs, oder kurz davor; Groß fieren - die Fock ist nun in der Windabdeckung des Groß; Fock einrollen; Anlufen und Groß dichter nehmen; Motor an; einen Aufschiesser unter Motor fahren; Großfall soweit fieren dass die Reffkausch 2tes Reff aus dem Reffhacken genommen werden kann; Klemme Reffleine für 2 Reff öffnen; Großfall soweit ziehen, dass die Reffkausch vom ersten Reff in den Reffhaken geklemmt werden kann und dieser nicht von losem Segel blockiert wird; Reffleine erstes Reff durchsetzen; Großfall durchsetzen; Abluven auf Halbwind und Groß nachführen; Motor aus; Fock setzen; auf Kurs gehen und Segel einstellen; Logbuch schreiben. Viele Schritte und einige Paralle, auch muss leider jemand an den Mast vor, bei für uns Binnensegler immer noch rauhen Bedingungen. Wenn überhaupt dann nur unter Hilfe des Autopiloten erschien uns das machbar. Also warteten wir bis Petra wieder auftauchte. Diese Situation hat Seewolf natürlich schamlos ausgenutzt und überholt.
Am Nordende von Als wurde der Kurs dann immer höher, bis schließlich doch noch ein wenig gekreuzt werden musste. Die Strecke war aber überschaubar. Argwönisch beäugt wurden von uns die Regenschauer, die uns nicht erreichten, aber schon, auf der Luftlinie nicht mehr weiten Dyvig-Bucht, auftrafen. Allerdings war im Regenradar schon absehbar, wenn wir mit der Aufkreuzerei im Norden von Als ein wenig Zeit verplempern, sind die Schauer durch. Tatsächlich kam es so dann auch.
Wann der richtige Zeitpunkt zur finalen Wende, rein in den Als-Fjord war, wurde auf der Bavaria ausgiebig diskutiert. Letzlich war es mit Navionics zeichnerisch genau zu ermitteln. Beide Boote fuhren ziemlich optimal auf den Fjord zu, also ohne vorher zu weit aufgekreuzt zu haben, aber auch nicht so dass noch weitere Wenden erforderlich gewesen wären.
Die Einfahrt in die Dyvig-bucht ist jedesmal ein Schauspiel. Man denkt, jetzt haben sie sie doch zugeschüttet und im letzten Moment erst tut sich die Duchfahrt auf. Dreist sind beide Boote durch die Engstelle gesegelt. Das hatten Petra und ich noch nicht vorher gemacht. Ist aber zu dieser Uhr- und Jahreszeit verantwortbar, denn Gegenverkehr sollte besser nicht kommen. Schlussendlich waren 33,5 Sm, also ungefähr 5 Sm extra gesegelt, was der Aufkreuzerei geschuldet ist. Mit 1515 angekommen lagen wir aber zeitlich gut und hatten auf der Bavaria noch genug Muße eine Tortilla aufzusetzen. Leider ging hier die große Flamme des Herdes kaputt, d. h. die Gasflamme erlosch nachdem man den Regler losließ. Auch minutenlanges Drücken half nicht. Geholfen hat ein Kochlöffel, der dauerhaft den Drehknopf tiefdrückte.
Viel Landprogramm fand nicht statt, aber die Mannschaften erfreuten sich an der wunderschönen Bucht und waren erleichtert den ganzen Tag keinen Regenschauer gehabt zu haben.
Der Hafen ist so dunkel dass Petra die Keramikausstellung nicht fand. Erst der Einsatz einer Stirnlampe führe zum Ziel.


Do 08.-10.
Um zu Frühstücken musste zunächst der Bavaria-Tisch repariert werden. Zum Glück verfügte das Schiff über eine Werkzeugtasche. Mehr als ein Kreuzer war aber auch nicht erforderlich. Der Tisch hat beidseitig Flügel, die auf beiden Stellungen arretiert werden können. Die Mechanik die Flügel oben zu halten ist allerdings ziemlich unterirdisch konstruiert. Schwachpunkt ist eine Leiste, die mit Ihrer Befestigung nicht in der Lage ist, die entstehenden Kräfte aufzufangen. Hier reissen dann die Schrauben aus der Tischplatte raus. Wie man anhand zahlreicher alter Löcher erkennen konnte ist diese Leiste schon mehrfach versetzt worden. So geschah es auch diesmal. Die Tischplatte selbst ist Presspan und das Einschrauben der Holzschrauben gelang ohne vorbohren. Eine Bohrmaschine hätte uns auch nicht zur Verfügung gestanden. Unsere Halberg-Fahrer hatten zumindest in dieser Hinsicht, keine technischen Probleme. Dort sind alle Holzeinbauten untadelig. Aber wie heißt es unter Langfahren: Man repariert sich durch die exotischsten Weltgegenden.
Die Halberg versuchte die Dyvig-Bucht unter Segel zu verlassen. Angesichts des Gegenwindes und der engen Bucht mussten diese Versuche wieder eingestellt werden. Auf der Bavaria wartet man vor der Engstelle so lange und übte das Beiligen vor Motor. Dazu das Heck gegen den Wind stellen, den Motor im Standags rückwärts laufen lassen. Häufig richten sich Schiffe dann wie eine Windfahne aus und bleiben, je nach Windstärke, praktisch auf der Stelle liegen. Petra machte das nicht, das Heck drehte immer aus dem Wind. Vielleich geht diese Manöver mit Saildrive nicht, denn hier liegt der Propeller ja nicht so weit hinten, wie es bei Wellenanlagen der Fall ist.
Irgendwann setzte sich auf der Halberg die Erkenntnis durch das die Eiserne Genua das Gefährt durch die Engstelle schieben muss. Sobald aber der Als-Fjord erreicht war konnte aber abgefallen und Segel gesetzt werden, endlich mal ungerefft. Nicht lang danach kreuzten Schweinswale unseren Weg. Auf der Bavaria wurde nur einer, recht kurz gesichtet. Die Halberg wurde von mehreren ein kleines Stück begleitet.
4 Sm später mussten die Segel wieder weg, es ging in den nach Süden führenden Als-Sund, wo uns der Wind auf die Nase stand. Es fing an zu regnen und es begann eine Rechnerei wie schnell wir fahren müssen um die stündlich öffnende Klappbrück am Ende des Sundes, kurz vor Sonderborg, pünktlich zu erreichen. Es gab zwar auch mal die Idee, wenn es nicht passt, vor der Brück anzulegen um Einzukaufen, aber ob es überhaupt eine Anlegemöglichkeit gibt wussten wir nicht. Auf den elektronischen Karten war nichts verzeichnet, bzw was verzeichnet war, konnten wir nicht zuordnen. Da es regnete hielt sich die Lust von Bord zu gehen dann aber sowieso sehr in Grenzen. Die Berechnungen ergaben: Öffnung um 1138 heißt 5,3 Knoten fahren, zu schnell für den baufälligen Motor der Halberg, Also Öffnung um 1238 = 2,14 Knoten seeehr langsam, knapp über Standgas. Da es mal wieder regnete waren auf der Bavaria 2 unter Deck, einer fuhr, d. h. oft der Autopilot während sich der Rudergänger unter die Sprayhood verzog. Es war wenig Verkehr, genaugenommen kam uns niemand entgegen, es überholten nur welche, die wir alleridings an der Brück wieder einholten. Es gab allerdings auch bei uns Befürchtungen die Öffnung zu verpassen und die Geschwindigkeit wurde geringfügig erhöht, was dann zur Folge hatte, daß vor der Brück doch, mit allen anderen die zuvor überholten, Kreise gefahren wurden. Wenigstens waren wir das letzte Schiff was bei der Brück eintraf. Auf unsere Backbordseite hätte es sogar eine Kaimauer mit Anlegemöglichkeit gegeben, was einige Yachten auch nutzten. Ist wohl ganz neu, an einem Teil wurde noch gebaut.
Wir machten uns anhand der nautischen Literatur über die Brücke und die Befahrensreglen vertraut. Streng nach Buch wurde Flagge N gehisst, um unseren Passierwillen kund zu tun. Leider konnten wir die Fahne nicht hochziehen da die Flaggenleine unter dem Fockfall am Mast belegt war. Das Fockfall wollten wir bei einer Rollanlage besser mal nicht lösen.
Die Brücke zeigte Doppelrot öffnete jedoch nahezu pünktlich. Die Lichter blieben rot, Gegenverkehr kam keiner und die anderen Yachten fuhren munter durch. Unsere Flotille waren dann die beiden letzen Schiffe die bei immer noch doppelrot passierten. Direkt nach uns ging die Brücke wieder zu. Man will sich nicht vorstellen der Mast kollidiert mit der sich schließenden Brücke. Da gäbe es was zu erklären, beim Vercharterer. Der Kurs Süd blieb, es ging raus in die Flensburger Bucht. Die Wellen waren ganz ordentlich und mit 3 Knoten stampften die Schiffe unter Motor gegenan. Auf der Bavaria hielten sich 2, trotz Rollen und Stampfen des Schiffes, im geheizten Salon, bei geschlossenem Niedergang auf. Mittlerweile waren alle an den Seegang gewöhnt, so dass selbst bei diesen Bedingungen keine Anzeichen von Seekrankheit auftrafen. Nach gut 3 Sm konnte abgefallen und das letzte Stück nach Langballigau auf der deutschen Seite der Förde, gesegelt werden, im ersten Reff. Es war so regnerisch wie angesagt, der Wind aber dann doch nicht so stark. Gut war aber dass wir nicht im kleinen Belt rumsegeln mussten,. da wäre wohl sicher 1 Bf mehr gewesen. Kurz vor dem Hafen, beim Einholen des Groß, ergoss sich noch ein Schwall Wasser aus dem Lazybag in das Cockpit. Zum Glück hatten alle Ölzeug und Stiefel an. Wohl durch den recht starken Südwind, war der Wasserstand in Langballigau etwas geringer, als er es in der Regel ist. In der Hafeneinfahrt gab das Echolot einen Tiefenarlam aus. Nach Karte hätten es deutlich über 2 m sein sollen.
Wieder fanden sich 2 Plätze direkt nebeneinander. Der Regen hörte nicht auf, alle Klamotten waren nass. Die Bavaria wurde zum Trockenschrank umgerüstet: Klamotten in den Salon gehängt, Heizung an, Niedergang (von der Sprayhood geschützt) etwas auf. Die Crews verholten sich in die örtliche Gastronomie. Per Internet wurde ein Tisch, wenige hundert Meter vom Hafen entfernt, reserviert. Das Einkaufen in Sonderborg hatte ja nicht stattgefunden, die Kühlschränke waren leer und es war unser letzter gemeinsamer Abend, denn beide Schiffe sind ja in unterschiedlichen Häfen beheimatet. Essen war lecker. Da Deutschland gab es mit der Währung keine Probleme. Wobei zu sagen wäre dass die Dänen auf Euros auch eingestellt sind. Die Hafenmeister konnten ohne Taschenrechner sofort die Liegegebühren in Kronen und Euros nennen. Sie akzetpierten Euros. Das Wechselgeld war dann zum Teil dänisch. Auch Duschmarken am Automaten kann  man in beiden Währungen ziehen.
Nach dem Abendessen ging es bei ruhigem Wetter und nur leichtem Regen einen kurzen Fußweg zurück in den Hafen, mit dem Gedanken dass gleich Matratzenhorchdienst geschoben wird. Aber bevor es soweit war begann es im Rigg zu heulen, die Bavaria ruckte unruhig an den Festmachern. Der Wind der tags nicht so stark wie erwartet war, kam dann wohl nachts. Leider hatten wir die beiden ungeschütztesten Plätze und die Bavaria bekam die Wellen aus der Hafeneinfahrt in die Breitseite. Der Wind drückte sie gegen die Halberg. Eine weiter Leine wude gelegt, von der Lee-Heckklampe zum Luv-Heckdalben. Dazu musste sie im Schein der Kopflampe gegen den Wind geworfen werden. Der Abstand war nicht groß, vielleicht nur 2 Meter, es gelang aber nur mit Mühe. Mit der Hand gelang es nicht die Leine dicht zu nehmen und den Abstand zur Halberg zu vergrößern. Erst mit Hilfe einer Winsch kam genug Zug auf die Leine. Geschlafen wurde dann, trotz unruhigem Schiff gut.
Es war ein ugünstigster Tag für die Segel/Motor-Statistik. 7,5 Sm unter Segel, 14,2 Sm motort. Mit 3 Knoten war das wohl auch die niedrigste Durchschnittsgeschwindigkeit.


Fr. 09.10.
Der Sturm flaute in der Nacht ab, wann wußte keiner. Die am Abend mühsam ausgebrachte und gepannte Leine hatte morgens ordentlich Durchhang, die Sonne schien.
Gepäck welches nicht mehr benötigt wurde, wanderte von der Bavaria in die Halberg um dann im Auto nach F gebracht zu werden, „danke Jürgen und Familie“. So mussten wir es nicht im Zug transportieren.
Vor dem Start noch mal schnell ein kleines Geschäft und - der Bavaria-Fäkalientank  lief über. Das er voll war ist früher nicht aufgefallen da die Anzeige dafür immer ¾ voll anzeigte. Dies brachte eine kleine Planänderung, die Bavaria musste Marina Minde noch ansteuern, wo die Halberg sowieso zum Tanken hin wollte. Es wurde im WWW recherchiert ob Minde tatsächlich eine Pumpstation hat, die Angaben waren wiedersprüchlich. Gleich neben der Selbstbedienungstanke lag sie dann. Leider war für die Pumpe der nicht anwesende Hafenmeister erforderlich. Wieder im WWW nach seiner Telnr gesucht, angeschrieben in seinem Büro war sie leider nicht. Er kam dann per Auto. In der Zwischenzeit hatte dann die Bavaria auch getankt. 16L Diesel sind es geworden. Vermutlich hatte einen nicht unerheblichen Teil die Heizung gebraucht. Das Abpumpen dauerte lang. Irgendwann sagte der Meister „fertig“ und wir hatten 10 EUR oder das Eqivalent in Kronen zu zahlen. Wir legten, mit Eindampfen in die Achterspring, ab und Jo gründelte nach dem Werkzeug und legte den Fakalientank frei. Leider war er mitnichten leer, sondern immernoch mehr als halbvoll. Das war aber nun zu verschmerzen da wir nur noch wenige Stunden zu segeln hatten. Es war wärmer wie auf der Fahrt nach Langballigau, die Heizung blieb aus und wir konnte alle unschönen Gerüche weglüften.
Wir starteten unter dem Motto “ab 16 Uhr wird zurückmotort“, bis dahin gesegelt. Bis Minde konnte wir bei einem 2 dann 3er SW den Kurs anlegen, mit einem kleinen Bogen um mit der, Schwiegermutter genannten Backbord-Tonne keine Probleme zu bekommen. Ab Minde ging es dann in SW-Richtung, also voll dagegen. Da hier aber keine Welle störte und bei einem 3er Wind, das ausgereffte Boot gut lief, wurde zwischendurch klar „wir schaffen Das“ bis 16 Uhr komplett unter Segel, schlussendlich mit 12 Wenden. Da Sonne und toller Wind waren viele Boote auf dem Wasser, meist waren wir 2 Boote ja sonst alleine unterwegs. Nun galt es die Ausweichregeln unter Segel zu beherzigen. Die Halberg startete gleich nach ihrem Tanken, sie lag damit uneinholbar vorn. Aber eine gleichgroße Yacht unserers Vercharters, die auch am Abend im Heimathafen sein wollte, bot sich als Herausforderung an. Denen Ihre Fock stand allerdings alles andere als gut und wir waren etwas schneller. Am frühen Nachmittag bewölkte es sich dann aber, der Wind nahm zu, Regen setze ein. Also alles wie gewohnt: Reffen, Navilichter an. Erstaunt war ich das der weibliche Teil der Crew sofort die Fock wieder setzen wollte und keine Sprayhood wollte - auch recht. Da bei uns das Reffen ja immer ne Weile dauert und dazu auch abgefallen wird, war unser Regattagegner weit voraus. Dieser hatte nicht gerefft und kämpfte nun mit Abdrift und Krängung. Wir zogen abermals vorbei. Später überholte er uns dann doch noch, aber dazu hatte er die Segel geborgen und nutzte den arabischen Wind.
Nach passieren der Ochseninseln, wir gerade auf Steruerbordbug, wurden wir in Lee von einer kleinen Regatta-Kielyacht mit einer Jugendcrew überholt. Nachdem man sich zugewunken hatte und sie voraus waren wendeten sie auf uns zu. Nun hatten sie ja leider 2x Vorrang (die „bessere“ Segelstellung und sie waren in Lee), nur hatten sie als Kurshalter ihren Kurs nicht gehalten. So wurde bei uns ruckartig abgefallen um hinter besagtem Boot durchzufahren. Sie allerdings machten eine Q-Wende und wollten hinter uns durchfahren. Nun wurde bei uns das Ruder nochmal schnell zur anderen Seite gelegt und es paßte noch. Uff.
Kurz vor Flensburg machte sich eine trichterförmige Wolke über der Förde breit, der Wind nahm zu. So kurz vor dem Ziel wollten wir nicht noch das zweite Reff einlegen. Beruhigend war daß die Flensburger, die jetzt am Freitagnachmittag frei hatten, mit Jollen herumsegelten. Da diese keine Anstalten machten das rettende Ufer aufzusuchen und die ja ihr Wetter kennen sollten, segelten auch wir weiter. Kurz vor dem Heimathafen war dann Schluss damit. Uns wurde zugerufen welche Box wir nehmen sollten. Es herrschte letzlich aber Unklarheit darüber welche nun gemeint war. Unsere freundlichen Helfer aus Mommark standen schon bereit und nahmen abermals die Leinen an. Wir allerdings hatten die falsche Box angesteuert. Nun wussten wir ja wie es geht und zum dritten Mal halfen die Mommark-Leute. Wir sind tief in ihrer Schuld. Über lange Sicht wird sich das aber alles ausgleichen.
Zum Anlegen sei noch gesagt dass in der westlichen Ostsee vornehmlich Boxen mit Heckdalben installiert sind. Meist haben wir römisch-kathoisch angelegt, man muss dann für den Landgang nicht über den Anker klettern. Allerdings ist beim Einfahren das Treffen der Lücke zwischen den Dalben schwieriger. Leichter dafür ist es den Abstand zum Steg abzuschätzen, der Rudergänger steht ja direkt dabei. Beim Anlegen hab ich mich mit Jo abgewechselt. 1 Tag der eine, anderer Tag die andere.
Gefahren waren wir an diesem Freitag 16 Sm unter Segel, 4 unter Motor.
Die Gesamtbilanz: 137,3 Sm, davon unter Motor 24,2. 16L Diesel für eine Woche für 3 Leute ist zwar noch nicht CO2 neutral, aber ein guter Anfang.
Plan a von uns dreien war in Flensburg abends essen zu gehen. Da aber noch Vorräte da waren, das Wetter feucht, wurde doch an Bord gekocht.
Die Übergabe am Samstag Vormittag ging probelmlos von statten. Ein Schekel der sich geöffnet hatte und den Baumniederholer freigab, war zu beklagen. Die Sache mit dem Schwarzwassertank wurde so akzeptiert. Hoffentlich beseitigt man den Fehler. Macken haben wir nicht reingefahren, Ausrüstung ging nicht verloren. Erst hier fiel auf dass wir eine superlange tolle Manöverleine an Bord hatten. Leider lag sie in der Backskiste in einer Ablage, worauf man erst sehen kann wenn man den Kopf tief in die Backskiste steckt. Diese hätten wir in Sonderborg gebraucht.
Da es mal wieder regnete fuhren wir mit einem Taxi zum Bahnhof. Kostet für 3 nur wenig mehr wie der Bus. In Hamburg hatten wir noch lange Aufenthalt und nutzten das gastronomische Angebot. Trotz Corona war der ICE nach F ziemlich voll, von Fahrgästen und Gepäck. Nun fragt es sich wie es 2021 mit der Segelfreizeit unter Corona-Bedingungen weitergehen kann.

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