Als Ersatz für den coronabdingten Ausfall der Heeg-Segelfreizeit konnte dann doch wieder ein Toern auf der Ostsee stattfinden. Am Start waren 10 Personen auf 3 gecharterten Yachten mit Heimathafen Großenbrode, auf dem Festland, südlich Fehmarn. Aufgrund der späten hessischen Herbstferien, fand die Fahrt erst in der dritten Oktoberwoche statt. Vorteil sind die leeren Häfen und niedrigen Charterpreise. Das Risiko schlechten Wetters ist allerdings vorhanden. So kam es denn, daß das Wetter einen erheblichen Teil an der Reiseplanung hatte.
Bereits vor dem Start wurde in der Vorhersage der Donnerstag als sehr windig beschrieben. Später, mit präziseren Vorhersagen, dehnte sich der Wind auch auf Mittwoch und Freitag aus.
Der erste Schlag führte nach Grömitz. Es liegt etwa 19 Seemeilen südlich. Abgelegt wurde erst nach 13 Uhr An diesem Tag war ein 4er SWS Wind der ein Segeln mit Vollzeug zuließ. Etwa in der Mitte der Strecke war ein Anlufen erforderlich, bis dahin mußte ein Landnase umfahren werden. Für einen direkten Kurs war der Wind ab da zu vorlich. Zu unterschiedlichen Zeiten wurden auf den 3 Schiffen die Segel geborgen und der Rest motort. Nur ein Schiff schaffte es nicht noch im letzten Licht anzulegen. Dafür bekamen sie über Handy eine Wegbeschreibung durch den Hafen, Lichtsiginale zum Finden des Liegeplatzes und Hilfe von 2 Crews beim Anlegen.
In den Ort ging dann niemand mehr. Es wurde noch gekocht und früh in die Koje verholt.
Bedingt durch den recht starken Westwind war der Wasserstand in diesem Bereich der Ostsee unterhalb des normalen Wasserstandes, das Kartennull stimmte somit nicht. Da eine der Yachten 2 Meter Tiefgang hatte, eine Dehler 36, erschien der Besuch von Kirchdorf auf der Insel Poel nicht angesagt. Angelaufen wurde statt dessen Wismar, genauer der Wasserwanderrastplatz im Überseehafen. Dies wurden nun 25 Seemeilen, die größtenteils gesegelt wurden. Die einen nahmen schon im ausgetonnten Wismar-Fahrwasser die Segel runter, andere segelten bis in die Stadt hinein. Da hier, in der Stadt ein guter Windschutz war, bereitete das Anlegen an den unbeliebten Fingerstegen, keine Probleme. Ein wenig fühlten wir uns wie im Vereinsgelände, da in unmittelbarer Nähe lautstark Schrott geladen wurde. Glücklicherweise endete die Arbeit kurz nach Einbruch der Dunkelheit.
Nach dem Organisatorischen, ein Hafenmeister war nicht anwesend, ein Briefumschlag mußte mit den Hafengebühren in den Briefkasten geworfen werden, gingen die Crews in 2 Gruppen in die Stadt. Nach genügend Besichtigen fiel es sehr schwer ein Restaurant zu finden was bereit war die hungrigen Segler aufzunehmen. Selbst wenn noch ausreichend Plätze vorhanden waren, gelang es häufig nicht noch Platz zu bekommen. Wir vermuten dass es nicht an unserem verwegenem Äußerem lag, eher wohl am Personalmangel, hervorgerufen durch die vorausgegangenen Coronawellen. Das Kontrollieren des Impfstatus und einchecken zur Rückverfolgung wurde sehr ernst genommen.
Auch wurde, wie immer abends auf solchen Toerns, der weitere Verlauf besprochen. Das schlechte Wetter mit kühleren Temperaturen, Wind, in Böen bis Stärke 9 und viel Regen, sollte uns ab Mittwoch behelligen. In großer Übereinstimmung wurde so beschlossen den Toern mit einem langen Schlag nun schon zu beenden und vorzeitig nach Großenbrode zurückzusegeln. 33 Sm waren so am Dienstag zu fahren. Der Wind fiel raumschots bis halbwind ein, so dass eine hohe Geschwindigkeit, um die 5 Knoten, gesegelt werden konnten. Es war den ganzen Tag komplett bedeckt, der Wind blies mit 4 Bf, Regen gab es kaum.
Auf der Fahrt wurde zwischen den Schiffen ausgiebig hin und her gefunkt, mit zulassungsfreien Funkgeräten. Die Bavaria Eurydike wurde so zu „eure Dicke“, auch dem Umstand geschuldet dass es eine 36er statt einer gebuchten 34er war, die Veronika wurde zur Froni.
Das Anlegen in Großenbrode wurde herausfordernd. Gerne wollten wir den Steg an dem wir die Schiffe übernahmen nicht ansteuern. Hier war es aufgrund des ansteigenden Hafengrundes Richtung Steg, nicht möglich rückwärts anzulegen, das Ruder hätte aufsitzen können. Ein Entern und Verlassen des Bootes müßte dann über den Bug geschehen, was sehr unkomvortabel ist. Wir hatten Glück. Bei einem Steg wo römisch-katholisches Anlegen möglich ist, waren 3 Plätze nebeneinander frei. Die Schiffe waren jedoch nicht für das Anlegen vorbereitet, da die Art des Anlegens sich erst im Hafen entschied. Entsprechend mußten im engen Hafen noch ein paar Kringel gefahren werden, bis alles zur Zufriedenheit der Skipper vorbereitet war. Bedingt durch den starken Wind verließen sich alle SkipperInnen auf das tw. gar nicht vorhandene Bugstrahlruder nicht. Es wurde über beide aussenliegenden Dalben provisorische Achtersprings auf Slipp übergeworfen, in die dann eingedampft und das Schiff langsam durch Fieren kontrolliert in die Box bugsiert werden konnte. Bei den vielen Leinen mit den hier umgegangen werden mußte, ging eine leider verloren. Diese war zu kurz um bis zur Endposition genutzt werden zu können, irgendwie war sie dann auf beiden Seiten los, und ging langsam unter. Nichts desto trotz gelang alles. Keine Delle wurde in die Schiffe gefahren, bis auf genannte Leine ging weder Ausrüstung noch Crew verloren. Lediglich die Claudia hatte einen Fenderfleck am Bug, den eine dreckige Hafenmauer hinterlassen hatte, als der Kugelfender in den eingedampft wurde, an der Kaimauer entlangrollte und Dreck übernahm, der sich am Bug wieder absetzte. Die daraufhin nötigen Polierarbeiten wurden mit einem kleinen zweistelligen Betrag in Rechnung gestellt.
Die letzten 3 Tage wurden die Schiffe als schwimmende Ferienhäuser genutzt. Selbst ein kurzes Ablegen und Tanken der Schiffe, wurde nach Absprache mit dem Vercharterer nicht durchgeführt. Der verbrauchte Diesel wurde anhand der Betriebsstunden geschätzt. Da fast alles gesegelt werden konnte, die Veronika ist von 77 Sm lediglich 9 motort, waren diese Kosten sehr überschaubar. Auch Hafenkosten wurden uns im Heimathafen nicht berechnet. Nicht zum Tragen auch der Verbrauch der Dieselheizungen. Diese wurde, zumindest auf der Veronika, beim Segeln und Nachts, nicht eingeschaltet.
Die verbliebene Zeit wurde genutzt um
- unter Deck schön zu kochen, während der Wind im Rigg pfiff und der Regen gegen die Bullaugen schlug
- ein Naturlehrpfad gewandert und Großenbrode besichtigt
- ein Ausflug zum 5-Master Passat in Travemünde bei Lübeck mit Autos gemacht
- ein Ausflug mit Abendessen nach Heiligenhafen.
die Rückgabe der Boote konnte schon am Freitag durchgeführt werden, so daß die Autofahrer nicht mehr auf die Übergabe warten mußten. Die Bahnfahrer konnten, bei wieder besserem Wetter, tatsächlich auch mit Sonnenschein, den Weg zum Bahnhof zu Fuß antreten. Diese waren dann als Erstes wieder in Frankfurt. Auf dem Hinweg mußten sie noch eine Odyssee über Würzburg über sich ergehen lassen und kamen erst mit 4 Stunden Verspätung am Ziel an. Der Einkauf betreffenden Schiffes war dann vom Rest der Crew übernommen worden, wobei dann wirklich nicht das Kleinste fehlte.

 

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