Ungeplanter Nacht-Segeltörn

Bei kühlem 2-3er Ostwind starteten Birgit, Lena (noch kein Mitglied, aber frische Inhaberin eines Binnenscheins für Segel und Motor) und Gerhard als verantwortlicher Schiffsführer, am Samstag 10.10.15 mit Max einen Nachmittagstörn nach Frankfurt. Leider riss die Wolkendecke nur kurzzeitig auf. Das Unterqueren der diversen Brücken war jedesmal langwierig, bedingt durch den Trichtereffekt der Brückenpfeiler und die somit erhöhte Strömung und die Winddreher in Lee der Brücken.

Bis hinter den Eisernen Steg ging die Fahrt. Der Rückweg ging dann vorm Wind und mit der Strömung schnell vonstatten. Allerdings nur, bis wir unterhalb der Friedensbrücke im Fahrwasser Gegenstände im Wasser treiben sahen. Lena steuerte Max knapp an diese Gegenstände, Birgit und Gerhard angelten mit dem Bootshaken danach. Sie stellten sich als zwei zusammengebundene große volle Taschen heraus. Schon die zweite war fast unmöglich an Bord zu hieven. Schließlich war ja alles mit Wasser vollgesogen. Aber der hauptsächliche Grund: Angeknotet war noch mehr. Unter der Wasseroberfläche kam ein Fahrrad in Sicht und daran befestigt ein weiteres sehr großes Gepäckstück. Das ließ sich nicht an Bord wuchten. Aber die Sache gab Anlass zu harmlosen und weniger harmlosen Spekulationen. Lena steuerte unter Segel, mit den restlichen Fundstücken als Schleppanker das Frankfurter Ufer im Bereich der "Botschaft" an. Kurz vorm Ufer wurde der Anker geworfen und die Segel eingeholt. Gleich danach wurde die Polizei über Notruf per Handy angerufen. Die noch im Wasser befindlichen Teile wurden am Knarrpoller gesichert. Es dauerte über eine halbe Stunde, bis sich eine Polizistin und ein Polizist von der Landseite uns näherten. Wir schilderten die Situation und die Polizisten waren sich einig, dass sie nicht schwimmen gehen wollten. Über Funk wurde von ihnen die Lage durchgegeben und um Unterstützung durch die Waschpo gebeten. Die Polizisten kletterten wieder das Ufer hoch und verließen den Schauplatz.

Nach ca. einer weiteren dreiviertel Stunde kam dann die Hessen 6. Mittlerweile brach die Dunkelheit ein. Durch Schwenken einer Taschenlampe machten wir auf uns aufmerksam. Ein kurzes Einschalten des Blaulichtes signalisierte uns, dass wir gesehen wurden.

Für das große Schiff war das Wasser an unserer Ankerstelle zu flach. So wurde der Anker gelichtet und mit den Schleppankern an die Hessen 6 herangepaddelt und an dieser mit 2 Leinen festgemacht. Die Gegenstände, die sich noch im Wasser befanden, waren nun zwischen der Bordwand von Max und der Hessen 6. Im Gegensatz zu den Seglern hatte die Polizei ein Messer an Bord. So ließen sich die Teile voneinander trennen. Die größte Tasche ließ sich nur an Bord der Hessen 6 heben, nachdem Gerhard und Lena auch noch auf das Polizeiboot kletterten und vier gemeinsam die Tasche hochzogen. An der Tasche kam dann noch das Fahrrad hinterher. Dass das Deck der Hessen 6 sicherlich mindestens 1,5 m hoch war, erleichterte das Ganze nicht. Ein Feuerwehrboot mit absenkbarer Rampe wäre uns lieber gewesen.

Schließlich waren 2 Reisetaschen, 1 Rollkoffer, 1 Fahrrad an Bord der Hessen 6 drapiert. Wir setzen zunächst die Fock und legten dann ab. Zuvor versicherten wir der Polizei, dass wir in der Dunkelheit keine Probleme hätten unseren Heimathafen zu erreichen und die angebotenen Schlepphilfe nicht benötigt wird.

Zunächst ging es nur per Fock weiter stromab. Dabei wurde das provisorische batteriebetriebene Navigationslicht (rot/grün) am Bug befestigt. Eine Stirnlame am Motorspiegel wurde als Achterlicht verwandt. Dann ging es kurz hoch an den Wind, um das ungereffte Groß noch zu setzen. Da der Wind nach wie vor ganz ordentlich blies, ging es nun raumschots schnell heim zum SCN. Das Licht der Großstadt an der Wolkendecke sorgte dafür, dass wir den Rückweg gut fanden. Außer der Gabi, die uns freudig anhupte, war niemand auf dem Wasser. Frachter kamen erst nach dem Anlegen vorbei.

Am Steg klingelte Gerhards Handy. Die Waschpo fragte, ob wir gut heimgekommen seien. Die Taschen hätten sie untersucht. Es hätten sich nur alte Kleidung und benutzes Schminkzeug darin befunden. Sie vermuteten, dass ein Flohmarkthändler sich kurzerhand auf unkonventionelle Art von seiner unverkäuflichen Ware trennte. Dann bedankten Sie sich noch für unseren Einsatz und wünschten einen schönen Abend. Mit Finderlohn dürften wir nicht rechnen, auch das Fahrrad wäre nicht von Wert.

Nun wurde im Schein der Taschenlampe das Boot noch aufgeräumt. Die Bilge musste gelenzt werden. Die nassen Taschen hatten dort für etliche Liter Wasser gesorgt.